Zur Geschichte von Stockum

In der Dörenschlade in Stockum konnte 1959 durch den Fund von kleinen Scherben und einem Getreidereibstein (Kornquetscher) eine vorgeschichtliche Siedlung nachgewiesen werden. Deren Alter beträgt mindestens 2000 Jahre.

Die ersten schriftlichen Nachweise geschichtlicher Erwähnung fallen in die Zeit nach dem Abschluss der Sachsenkriege Karls des Großen und der erfolgten Missionierungsmaßnahmen durch das Erzbistum Köln im 9. und 10. Jahrhundert. So schenkte der Kölner Erzbischof Warinus (976-985) die Stockumer Pfarrkirche und einen Hofesverband an das Kölner Stift St. Andreas. Dieses von Erzbischof Bruno (953-965) gegründete Kanonikerstift erhielt einen dem Apostel Andreas geweihten Kirchen-Neubau, der 974 eingeweiht wurde. Somit konnte Stockum 1976 die Tausend-Jahr-Feier erleben und gestalten.


Teilansicht des historischen Taufsteins der Stockumer St. Pankratius Kirche

Die Umsiedlung der Grafen von Werl nach Arnsberg (um 1060) leitete eine zusätzliche intensive Ausbauphase des Gebietes der ehemaligen Pfarrei Stockum ein. Schon 1165 gab es die bedeutenden Hofesverbände der Arnsberger Grafen in Seidfeld, Amecke und Henninghausen. Der Ausbau der Grafschaft Arnsberg führte zur Gründung der gräflich-arnsbergischen Minderstädte, der "Freiheiten" Hagen (1296) und Sundern (vor 1310). Beide wurden gegen den Widerstand des Stockumer Pfarrers Heinrich aus dem Pfarrverband von Stockum gelöst und zu selbständigen Pfarreien erhoben.



Beziehungspflege: Prölken in Holzen.



Bauer Hennecke auf der Holter Höhe (um 1935)

Durch den Verkauf der Grafschaft Arnsberg an das Erzstift Köln im Jahre 1368 kam es zur Eingliederung der Pfarrei Stockum in das kurkölnische Herzogtum Westfalen. In Stockum waren die Herren von Neheim mit den Gütern von St. Andreas belehnt. Wegen der Bleigruben in Bönkhausen kam es zum Streit mit dem Landesherrn und so belohnten der Dechant und das Kapitel von St. Andreas in Köln 1494 den Käufer Heinrich von Plettenberg und dessen Sohn mit den Gütern in Stockum.
Am 13. Juli 1587 wurde die Stadt Allendorf aus dem Stockumer Pfarrverbande gelöst und zur selbständigen Pfarrei erhoben.

In kurkölnischer Zeit bildete die Stockumer Pfarrei auch einen weltlichen Verwaltungsbereich, das "Gericht Stockum" mit einem kurkölnischen Richter an der Spitze.

Diese Zustände änderten sich grundlegend nach 1802/03, als das Herzogtum Westfalen der Landgrafschaft (ab 1806 Großherzogtum) Hessen-Darmstadt zugeteilt wurde. Das Gesetz vom 22. September 1807 schuf 18 Ämter und 282 Schultheißenbezirke.

Das ehemalige Gericht Stockum wurde dem Amt Eslohe eingegliedert. Dies war völlig unzweckmäßig, und so kamen am 16. Februar 1811 die Dörfer Amecke, Stockum, Illingheim, Bruchhausen, Wulfringhausen, Dörnholthausen, Seidfeld und Henninghausen vom Amt Eslohe an das Amt Balve.

Durch den Staatsvertrag vom 30. Juli 1816 in Frankfurt musste das ehemalige Herzogtum Westfalen vom Großherzog von Hessen an den König von Preußen abgetreten werden. Man nahm das Herzogtum Westfalen 1821 aus dem Verbande der Erzdiözese Köln heraus und gliederte es dem Bistum Paderborn ein. Die Pfarrei Stockum gehörte zum Dekanat Arnsberg und wurde 1922/23 dem neuen Dekanat Sundem zugeteilt.

Die Gemeinde Stockum kam in preußischer Zeit zum Amt Allendorf (ab 1905 Amt Sundern) und 1975 zur Stadt Sundern.

Dr. Hubert Schmidt